Zwischen KI-Prompts und Emotionen: Der Faktor Mensch beim Texten
Der Mensch ist Mensch. Weil er schreibt und weil er bleibt.
So würde es Herbert Grönemeyer vielleicht formulieren. Hätte er recht? Jahrhunderte lang waren die schriftstellerischen Berufe hoch angesehen. Seit dem großen KI-Umbruch im Jahr 2022 bröckelt das Berufsbild in der öffentlichen Wahrnehmung. Das gilt sowohl im Journalismus und in der Literatur als auch in der Musik- und Unterhaltungsbranche und nicht zuletzt im Marketing. Ähnlich wie Grafiker, Übersetzer und viele andere Jobs, die dank Künstlicher Intelligenz scheinbar überflüssig werden, kämpfen auch Texter um ihr Image.

Wir sind doch keine Maschinen
Brauchen wir den Menschen für die Erstellung guter Texte überhaupt noch? Kann es ChatGPT nicht sowieso viel besser? Fragen wir die KI doch einfach selbst:
Unsere Frage: Sind KI-Tools wie ChatGPT die besseren Texter und Autoren? Wenn ja, warum?
Antwort von ChatGPT: Ob KI-Tools wie ChatGPT die besseren Texter und Autoren sind, hängt von mehreren Faktoren ab – insbesondere vom Kontext, dem Ziel und den Kriterien für „besser“.
Vorteile von KI als Texter/Autor
- Schnelligkeit
KI kann in Sekundenschnelle Texte zu nahezu jedem Thema generieren, während Menschen für Recherche, Planung und Schreiben mehr Zeit benötigen. - Konsistenz
KI kann konstant hohe Qualität liefern, ohne Ermüdung oder emotionale Schwankungen, die Menschen beeinflussen könnten. - Sprachliche Vielseitigkeit
KI kann verschiedene Schreibstile, Tonalitäten und Formate anpassen – von Werbetexten bis hin zu wissenschaftlichen Artikeln. - Datenverarbeitung & Recherche
KI kann große Mengen an Informationen schnell verarbeiten und strukturieren, was besonders bei datenbasierten Inhalten vorteilhaft ist. - Kreative Unterstützung
KI kann Ideen vorschlagen, alternative Formulierungen anbieten und kreative Blockaden überwinden helfen.
Hast du beim Lesen dieser Antwort emotionale Schwankungen oder eine kreative Blockade bekommen? Tja, dann bist du vermutlich Texter von Beruf.
Mal im Ernst: Die aufgeführten Argumente der KI sind doch legitim. Da braucht es keinen falschen, menschlichen Stolz. Viele Berufstexter, Autoren, Redakteure und Lektoren rollen vielleicht gerade mit den Augen. Doch keine Angst: Dieser Blogartikel geht nicht gegen euch.
Allerdings auch nicht gegen ChatGPT und Co. Wir wollen der KI-Technologie nicht den Kampf ansagen. Warum sollten wir den Fortschritt verhindern und uns selbst ausbremsen? Effizienzbremsen gibt es schon genug in unseren Behörden. In der freien Wirtschaft sollten wir mit gutem Beispiel vorangehen.
Wenn wir von der schreibenden Zunft also ineffizient sind und viele andere Schwächen haben … warum ist der Faktor Mensch dann trotzdem wichtig?
6 gute Gründe für menschliche Texte
Wir sind fehlbar, können krank werden, sind manchmal unproduktiv und können bei vielen Dingen nicht mit einer Maschine mithalten. Das zu akzeptieren und uns stattdessen auf unsere Stärken zu fokussieren, kann uns zu großartigen Texterinnen und Textern machen.
1. Kreativität
Wahre Originalität und Kreativität gibt’s nicht von der Stange. Aber auch nicht von der KI. Menschen sind in der Lage, neue Geschichten zu schreiben. Sie haben Ideen, sie erschaffen neue Sprachen. Dadurch entstehen Muster, von denen die KI lernt. Und das ist der springende Punkt. Die kreativen Möglichkeiten der KI sind begrenzt, weil sie nur Muster nutzen kann, die bereits durch Menschen entstanden sind. Wenn wir also die KI bitten, uns einen kreativen Text zu einem bestimmten Thema in einem bestimmten Stil zu schreiben, dann reproduziert sie bereits vorhandene Text- und Stilmuster. Das ist nicht originell.
2. Emotionen
Eins unserer wichtigsten Alleinstellungsmerkmale ist unsere komplexe Gefühlswelt. Wir empfinden Freude, Scham, Angst, Ärger, Trauer, Verlegenheit, Ekel, Hoffnung, Stolz, Liebe und viel mehr. Und wir können es in Textform formulieren, beschreiben und neue Aspekte dieser Gefühlswelt vermitteln. Die KI kratzt bisher nur an der Oberfläche der menschlichen Gefühle.
3. Intuition & Tiefe
Menschen können zwischen den Zeilen lesen, subtile Botschaften erkennen und kritisch denken. Wenn die KI keinen menschlichen Input bekommt, produziert sie zum Teil widersprüchliche und häufig oberflächliche Inhalte. Der intuitive und hinterfragende Mensch-Faktor kann in manchen Berufen entscheidend sein: Journalisten beispielsweise können der KI keine tiefgehende Recherche und Bewertung von Quellen überlassen. Das wäre schlicht fahrlässig.
4. Kontext
Wenn Content King ist, dann ist Kontext in diesem Fall Kaiser. Sprache ist viel mehr als Grammatik und die Aneinanderreihung von Wörtern. Sie ist kulturell und historisch geprägt. Es gibt Trends und Humor und viele Aspekte, die in unsere Texte miteinfließen. Die KI steckt in Sachen Humor noch in den Kinderschuhen. Wer das nicht glaubt, kann sie gerne mal beauftragen, einen Witz zu erzählen. Da sind manchmal amüsante Aussagen dabei. Oft jedoch oberflächlich und einem gewohnten Witzmuster folgend.
5. Ethik
Maschinen arbeiten datenbasiert und können häufig ethische Zwickmühlen übersehen. Ihre Inhalte sind rational gesteuert. Zwar können sie bei diskriminierenden Aussagen Muster erkennen, doch häufig geschieht Diskriminierung oder Rassismus auf subtile Art und Weise, die eine KI nicht lesen kann.
6. Persönlichkeit
Wenn du mit einer Person länger zusammenarbeitest, kennst du das vermutlich. Du erkennst die E-Mails oder Beiträge der Kollegin/des Kollegen sofort am persönlichen Schreibstil. Denn glücklicherweise sind wir Menschen mit Eigenheiten ausgestattet, die man auch in unseren Texten wiederfindet. Kommentare, Essays oder Reportagen sind mit einer KI nicht möglich, auch hier fehlt der menschliche Faktor.
Das sind nur einige Gründe für Texte, die von Menschen geschrieben werden. Die Frage sollte nicht sein: Brauchen wir den Menschen für die Erstellung von Texten noch? Sondern: Brauchen wir die KI dafür? Auch hier lautet die Antwort: Ja!
Wann schreibe ich KI-Prompts und wann texte ich selbst?
Der Mensch sollte zunehmend die Rolle einer Kontrollinstanz einnehmen und KI-Texte optimieren oder Faktenchecks durchführen. Journalisten können große Datenmengen in hoher Geschwindigkeit auswerten. Texter können sich Inspiration holen. Die Maschine übernimmt dabei die Fleißarbeit, kann die Struktur des Textes vorgeben und erste Impulse setzen.
Insgesamt wird man immer mehr lästige Aufgaben an die KI abgeben können. Uns Menschen bleiben die schönen und kreativen Aufgaben erhalten. Wir verleihen den Texten Leben, fügen unsere persönliche Note hinzu und gestalten sie so, dass sie gerne gelesen werden.
Egal ob längere Blogartikel, Business-Pläne oder kurze Claims – die KI hilft dir immer dann, wenn du einen Gedankenanstoß brauchst. Selbst wenn die generierten Ergebnisse nicht zufriedenstellend sind, können sie Schreibblockaden lösen und dich aktivieren.
Was viele vergessen: Du bleibst der Hauptautor, auch wenn die KI deinen Text schreibt! Schließlich schreibst du den „Prompt“ dafür – so werden unsere Anweisungen an die Künstliche Intelligenz genannt. Und jeder, der schon länger mit KI arbeitet, weiß, wie wichtig ein guter Prompt ist. Je detaillierter, spezifischer und gezielter du deinen Prompt formulierst, desto besser werden die Ergebnisse.
Fazit
In Zukunft werden wir, die Schreibenden, immer mehr zu Prompt-Autoren, dürfen kreativer arbeiten und können monotone Aufgaben abgeben. Menschliche Faktoren wie Gefühle, Kreativität und Intuition werden hingegen bestehen. Anders als in vielen Science-Fiction Blockbustern suggeriert wird, ist die Künstliche Intelligenz noch nicht fähig, die Komplexität eines Menschen abzubilden und eigenständig zu denken. Machen wir die KI also zu unserem Assistenzsystem und erleichtern uns den Alltag mit den vielfältigen Tools, die wir heute haben.